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half of my heart is in havana

Allein bei dem Gedanken an die kubanische Hauptstadt höre ich Salsa-Rhythmen und Gitarrenklänge. In Erinnerungen schwelgend, träume ich von eiskalten Mojitos auf romantischen Dachterrassen, alten Chevrolets und Sonnenuntergängen am Malecón. 

Cienfuegos

Wer nach Kuba fliegt, sollte eine große Flasche wasserdichte Sonnencreme, bunte Kleider und einen weißen Sonnenhut einpacken und seine deutsche Genauigkeit zu Hause lassen. Denn das Sprichwort „was du heute kannst besorgen, verschiebe nicht auf morgen“ bringt Kubaner allerhöchstens zum Lachen. Willkommen im Land der Leichtigkeit, in dem man mit einem ordentlichen Hüftschwung durch die Straßen tanzt. 

Havanna

Die klassische Kuba-Reise beginnt in Havanna, wo man dem kubischen Charme (und den 36 Grad im Schatten) sofort gnadenlos ausgesetzt wird. Schon der Flughafen erweckt den Anschein, als hätte er in den letzten 50 Jahren kein Update bekommen. Sobald man aber in die Stadt reinfährt, fragt man sich, ob man gerade in eine Zeitmaschine eingestiegen ist und in den 60ern gelandet ist. Es wird einem schnell bewusst: Kuba ist anders – unterwegs ist man in bunten Ami-Schlitten, Baujahr ´52, welche von einem deutschen TÜV schon längst aus dem Verkehr gezogen wären. In der Innenstadt findet man weder Starbucks noch McDonalds und schon gar kein Free Wi-Fi und aus den Lautsprechern der etlichen Bars hört man hauptsächlich spanischsprachige Musik, da der englischen Sprache fast keiner mächtig ist. Was einem als Europäer im ersten Moment etwas altmodisch vorkommt, sollte man in vollen Zügen genießen. 

Am besten wohnt man in einem der zahlreichen Casa Particulares. Das sind private Zimmer (meistens ensuite) die von kubanischen Familien an Touris vermietet werden. Die Familie lebt oftmals im gleichen Haus oder in unmittelbarer Umgebung. Dabei handelt es sich natürlich nicht um Luxusunterkünfte, jedoch wird man dafür liebevoll umsorgt und bekommt einheimische Insidertipps. Nachdem man verschwitzt, aber hoffentlich erfolgreich in seiner Unterkunft in Havanna angekommen ist, wird es höchste Zeit die Stadt zu erkunden und das funktioniert am besten, indem man sich durch die Straßen der Altstadt treiben lässt und verloren geht. Havanna ist voll mit versteckten Gassen und geheimnisvollen Innenhöfe, in denen man kleine Kunstateliers und Bars findet. Dabei sollte man nicht vergessen, dass sich auf den Dächern der eng aneinander gedrängten Kolonialbauten oftmals wunderschöne Dachterrassen befinden, welche man von der Straße aus nicht sehen kann. Wer tagsüber schon von Havannas Charme begeistert ist, sollte warten bis die Sonne untergegangen ist (und sich den Sonnenuntergang am Malecón anschauen). Wenn es erst einmal dunkel ist erwacht das kubanische Volk, welches tagsüber eher etwas träge und benommen von der Hitze wirkt, zum Leben. Ventilatoren und Schattenplätzchen werden dann verlassen und man wagt sich in die Straßen und Bars der Stadt, wo die ganze Nacht Salsa getanzt und Cuba Libre getrunken wird. Wer sich dabei nicht ganz blamieren will, belegt am besten davor schon ein paar Salsa Stunden. 

Blick über Trinidad vom Museo de Historia Municipal

So bezaubernd Havanna auch ist, Städtetrips bei über 30 grad können bekanntlich auch ganz schön anstrengend werden und so kann man Havanna nach ein paar Tagen unbedenklich hinter sich lassen und in das Naturschutzgebiet von Las Terrazas, in das Tal von Vinales oder auf eine der traumhaften Karibikinseln östlich von Havanna fliehen. Die Touri-Hochburg und die meisten Resorts befinden sich in Varadero, allerdings würde ich jedem empfehlen einen großen Bogen um diesen Teil der Insel zu machen und das richtige Kuba ohne Reiseanbieter zu erkunden. Kuba hat von traumhaften Karibikstränden und tollen Schnorchel-Spots über Naturreservate und Wasserfälle bis hin zu alten Kolonialstädten und riesigen Tabakplantagen alles zu bieten, … was jedoch schwer zu entdecken ist wenn man zwei Wochen Cocktail-schlürfend an einem Hotelpool liegt, welcher genauso gut auf Mallorca sein könnte. 

Wenn man dann schon mal dabei ist das wahre Kuba zu erkunden, sollte man sich auch nicht scheuen hin und wieder mit den Einheimischen ins Gespräch zu kommen. Kubaner sind wahnsinnig gastfreundlich und offenherzig, was man schnell merkt, wenn man einmal in einem Casa Particuares zu Abend isst. Davon abgesehen, dass man als Vegetarier nur komisch angeschaut wird und dann Hühnchen zu essen kriegt, würden von einer Portion meistens drei Personen satt werden. Falls die Familie ihre Lebensmittel selbst anbaut, sollte man unbedingt danach fragen. Dann bekommt man nämlich eine ausgiebige Führung durch den hauseigenen Obst- und Gemüsegarten von dem stolzen Hausherrn persönlich und kommt, wenn man Glück hat, in den Genuss einer frisch geernteten Kokosnuss, Mango oder selbstgemachter Zigarren. Wenn man dann ein gewisses Interesse zeigt (und das Glück hat, dass beide Seiten eine gemeinsame Sprache beherrschen), erzählen Kubaner auch gerne mal mehr über das Leben auf dem wunderschönen Inselstaat. Was auf den ersten Blick nach „living la vida loca“ aussieht, ist nicht immer so romantisch wie man denkt. 

Galerie am Plaza Mayor Trinidad

Kuba ist der letzte Restposten des Kommunismus, in dem immer noch nach dem Prinzip einer egalitären Gesellschaft gelebt wird. Seit Kuba jedoch von Touristen überschwemmt wird, beginnt das ganze System zu bröckeln. Durch die Einführung des Cuban Peso Convertible (CUC), eine an den Dollar gekoppelte Touristen-Währung, ist das tägliche Trinkgeld eines Taxifahrers so hoch wie der Monatslohn eines Arztes. Dass man als Touri-Guide oder Barkeeper demnach ein lukrativeres Leben führt als Handwerker oder Lehrer haben mittlerweile einige Kubaner festgestellt und somit entstand in den letzten Jahren ein riesiger Fachkräftemangel, was dazu führte, dass das ganze Land auf der Strecke bleibt und sich wirtschaftlich kaum weiter entwickeln kann. Die Folgen dessen sind unübersehbar, Supermärkte sind oftmals schon am Mittag leergefegt, Häuser und Straßen sind teilweise in katastrophalen Zuständen und wenn ein Taxifahrer ein Ersatzteil für sein heiliges Gefährt braucht, kann es passieren, dass er darauf mehrere Monate warten muss. 

Für Einheimische ist Kuba somit Fluch und Segen zugleich. Kaum ein anderes Land in Lateinamerika ist so sicher wie Kuba und auch die Arbeitslosenquote ist im internationalen Vergleich sehr gering. Jedoch reichen Gehälter gerade für ein Existenzminimum aus und ein Vermögen aufzubauen ist schier unmöglich. Viele Kubaner sind auf Freunde und Verwandte im Ausland angewiesen, von welchen sie regelmäßig Geldsummen in Dollar geschickt bekommen. 

Seit April 2018 ist Miguel Díaz-Canel Kubas Präsident und löste die über 40 Jahre lange Regierung der Castro Brüder ab. Mit ihm stieg die Hoffnung auf eine Reformation im Land, doch ganz im kubanischen Stil ist auch dieser Präsident kein Mann der schnellen Entscheidungen. Vermutlich wird der sozialistische Inselstaat jedoch eine Annäherung an westliche Wirtschaftsmächte nicht mehr lange verweigern können und dann stellt sich die Frage wie lange das authentische Kuba, mit Oldtimern und alten Kolonialbauten, noch bestehen wird. 

Havanna

Die ultimativen Kuba-Tipps:

Havanna:

Lieblingsstraßen:

  • Paseo de Martí
  • Plaza de Armas
  • Plaza de la Catedral
  • La Habana Vieja (O’Reilly, Obispo, Habana, Cuba, Sol)
  • Malecón

Sehenswürdigkeiten:

  • Museo de la Revolución
  • Hotel Ambos Mundos (schöne Dachterasse, aber schlechtes Essen)
  • Kempinski Hotel Manzana (Dachterasse!!)
  • Hotel Mercure Sevilla (Innenhof)
  • Kapitol
  • La Catedral de la Virgen María de la Concepción Inmaculada de La Habana

Bars & Restaurants:

  • El Del Frente (Dachterasse!!)
  • Esquina de Cuba (bestes Ropa Vieja)
  • Siá-Kará Café
  • El Bambu Pal Adar
  • La Guardia

Las Terrazas & Soroa

  • Villa Duque Marta & Jorge (bestes Casa Particulares)
  • Banos de San Juan
  • Ausblick vom Hotel Moka
  • Canary Tour
  • Botanischer Garten
  • Salto de Soria
  • Castillo de la Nubes

Vinales

  • Sonnenaufgang vom Hotel Los Jazmines
  • Tagestrip zu Cayo Jutias
  • Ausritt durch Tabakplantagen

Playa Larga

  • Villa Paraiso (Casa Particulares direkt am Strand)
  • Schnorcheln in der Cueva de los Peces
  • Playa Giron
  • Playa Larga
  • Sol y Carribe (beste Shrimps-Spaghetti)
  • Parque Nacional Ciénaga de Zapata (Naturschutzgebiet)

Cienfuegos

  • Palacio de Valle (schöne Dachterasse)
  • Parque Jose Marti
  • Castillo de Jagua (erreichbar von Cienfuegos mit der Fähre)
  • Hotel „La Union“ (schöne Dachterasse und Innenhof)
  • El Nicho (sehr schöner Wasserfall, aber sehr touristisch)
  • Punta Gorda
  • Club Cienfuegos (schöner Ausblick)
  • Dona Nora (gutes Essen)

Trinidad

Sehenswürdigkeiten:

  • Märkte, Museen & Galerien
  • Colonial Architecture Museum
  • Museo de Historia Municipal (Dachterasse mit Blick über Trinidad)
  • Plaza Mayor
  • Museo Romatico
  • Casa de la Musica (Live Musik)
  • Disco Ayala (Cave Club)
  • Ausritt zum Salto del Caburni
  • Topes de Collantes
  • Playa Ancón

Restaurants:

  • Real Café / Restaurante
  • Sol Ananda
  • La Botija (sehr gutes Ropa Vieja)
  • Bodeguita del Medico (beste Limonade)

Cayo Santa Maria

Die kleinen Karibikinseln vor der Nordküste von Kuba sind ausschließlich als Hotelgast besuchbar. Da die Inseln voll von all-inclusive Bunkern sind und die Strände zur jeweiligen Hotelanlage gehören, sollte man sich im Voraus ein Zimmer buchen. Die weißen ewig langen Strände und das türkisfarbene Wasser sollte man sich allerdings nicht entgehen lassen. Empfehlen kann ich das Hotel „Golden Tulip Auges Claras“.

Cayo Santa Maria

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