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O SOLE MIO

Oh Venezia! Wer träumt nicht von einem singenden Gondoliere im gesteiften Shirt, einem Glas Vino Rosso zwischen Kanälen und Brücken und fliegenden Tauben auf dem Markusplatz? Spätestens seit ich als Kind „Herr der Diebe“ von Cornelia Funke gelesen hatte, war Venedig eins meiner Traumziele. Die kleine Insel in der Adria-Lagune hat einen ganz besonderen Charme, um diesen zu entdecken, sollte man aber vor allem eins: früh morgens unterwegs sein. Bevor die großen Kreuzfahrtschiffe in der Lagune anlegen und fotografier-wütige Tourimassen aus nah und fern die Insel stürmen, hat Venedig fast etwas Magisches. Es würde einen eigentlich kaum wundern, wenn sich (ganz nach Funke) die venezianischen Statuen tatsächlich bewegen würden. Früh am Morgen begegnet man allerhöchstens streunenden Katzen oder ein paar Ladenbesitzern die friedlich ihren Café genießen bevor der Trubel losgeht. In Ruhe kann man dann noch das architektonische Meisterwerk Venedig, welches in seiner ganz eigenen Farbpalette erstrahlt, bewundern. Sobald jedoch das erste Kreuzfahrtschiff anlegt, ist Ruhe eher Mangelware und die kleinen romantischen Gässchen sind einer Art Völkerwanderung ausgeliefert. Rund 10 Millionen Menschen beherbergt Venedig pro Jahr und weitere 18 Millionen Menschen machen einen Tagesausflug auf die Insel und das, obwohl die Altstadt (die eigentliche Insel) nur 5,2 km2groß ist. Dementsprechend kann man sich vorstellen wie sich Reisegruppen, geführt von einem Fähnchen-schwingendem Guide durch die Straßen drängen. Schnell wird man bemerken, dass es eigentlich zwei „Venedigs“ gibt, das der Touripfade entlang der Hauptattraktionen, übersät von überteuerten Souvenirshops, Eisdielen und Pizzerien. Und das Venedig abseits der Touristenwege, welches immer gemütlicher, italienischer und günstiger wird je weiter man sich von dem Sandalen- und Rucksack-tragenden Volk entfernt hat. Der Trick ist also das Sightseeing am frühen Morgen zu erledigen und dann den restlichen Tag Aperol-Spritz-trinkend in abgelegenen Gässchen zu verbringen. In sogenannten Bacaris (einfache Stehbars) kann man von vormittags bis nachts Wein genießen und ein Cicheti (italienische Tapas) nach dem anderen verspeisen. Was das Ganze noch besser macht, ist die Tatsache, dass das Essen immer besser, die Portionen immer größer und die Preise immer günstiger werden, je weiter man die bekannten Sehenswürdigkeiten hinter sich gelassen hat. Ein Espresso im Stadtteil Cannereggio kostet nicht mal mehr die Hälfte von einem auf dem Markusplatz und wer mehr als 3,50€ für ein Glas Aperol Spritz bezahlt hat auch definitiv etwas falsch gemacht. Übrigens sind Speisekarten, die Bilderbüchern ähneln und, frei nach Google Übersetzer, in vier verschiedene Sprachen übersetzt sind, keine Indikatoren für ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Wer auf der Suche nach einheimischen Spezialitäten ist, sollte nach kleinen, versteckten Läden Ausschau halten in denen die Speisekarte in Form eines handgeschriebenen DIN A4 Blatts von Tisch zu Tisch gereicht wird. Besonders Meeresfrüchte-Fans werden in diesen Lokalen glücklich werden.  Genug vom Essen und zurück zum Sightseeing, hier kommt die Fragen aller Fragen: Lohnt sich eine Gondelfahrt? Für mich war die Frage schnell beantwortet, als ich erfuhr, dass der Spaß 80€ für 30 Minuten kostet. Das Ganze funktioniert auch nicht wie mit TukTuk-Fahrern in Thailand, wenn der gute Herr im gestreiften Shirt 80€ sagt, meint er auch 80€, basta. Die Sparfüchse unter uns können sich ihre Gondle mit anderen Touristen teilen, was jedoch mit hoher Wahrscheinlichkeit damit endet, dass man zwischen einer Familie, ihren sieben Selfie-Sticks und fünf Spiegelreflexkameras eingequetscht ist und Fotograf spielen muss. Alle die sich auch mit der weniger romantischen Version zufrieden stellen, können auch mit der normalen Fähre einmal den Grand Canal entlangfahren. Bei dieser Gelegenheit wird man eines der bekanntesten Kunstwerke Venedigs entdecken. Der Künstler Lorenzo Quinn installierte zur Biennale 2017 zwei riesige Hände, die aus dem Canal Grande ragen und ein Hotel stützen, um auf das zerstörerische Verhalten der Menschheit aufmerksam zu machen. Venedig gehört zu den Orten, an denen der Klimawandel bereits verehrende Auswirkungen hat. Durch den steigenden Meeresspiegel steht die Insel regelmäßig unter Wasser, oftmals helfen nicht mal mehr die improvisierten Hochwasserstege, auf denen man durch die Gassen laufen kann. Hinzu kommt, dass das Konstrukt aus Holz, Lehm und kleinen Inseln auf dem Venedig erbaut wurde jedes Jahr um ca. einen Millimeter sinkt, dass diese Kombination nicht gerade den nachhaltigen Erhalt der Insel fördert ist allen bewusst. Das Hauptproblem der Insel allerdings geht einher mit der Haupteinnahmequelle: dem Massentourismus. Riesige Kreuzfahrtschiffe fahren täglich in die Lagune, zerstören dabei das Ökosystem rund um Venedig und fördern die Erosion der Insel. Tagestouristen hinterlassen hauptsächlich Müll und wenig Geld in der Stadt und die Einheimischen müssen für überteuerte Airbnbs weichen. Dank horrenden Mietpreisen, wohnen nur noch knapp 60.000 Venezianer und Venezianerinnen auf der Insel, darunter kaum noch junge Menschen. Um den unkontrollierten Andrang zu bändigen, verlangt die Stadt ab September 2019 Eintritt von Tagestouristen. Trotz Menschenmassen und teilweise Vergnügungspark-Feeling, war Venedig definitiv jede Reise wert… man muss nur wissen wie. 

Die ultimativen Venedig Tipps

Dorsoduro – Das Studentenviertel

  • billige Restaurants
  • Chiesa di Santa Maria della Salute
  • Campo San Barnaba
  • Campo Santa Margherita

Cannaregio – weniger touristisches Ausgehviertel

  • schöne, kleine Bars, Cafés und Restaurants in der Fondamenta della Misericordia

Santa Croce & San Polo

  • Campo della Pecheria (Fischmarkt)
  • Campo San Pollo
  • Bars und Restaurants in den Seitenstraßen

San Marco

  • Markusplatz bei Nacht oder früh am Morgen
  • Piazza San Marco
  • Seufzerbrücke
  • Ponte Rialto
  • Dogenpalast
  • Markusturm
  • Vaporetto (Wasserbus/Fähre)
  • Ausblick vom Fondaco dei Tedeschi (Kaufhaus mit Dachterasse)

Castello

  • Libreria Acqua Alta
  • Via Giuseppe Garibaldi
  • Arsenale
  • Giardini della Biennale
  • Santa Giustina

Restaurants

  • Paradiso Perdutto (bestes Fischrestaurant in Cannaregio)
  • AE OKE (günstige Pizza am Wasser in Dorsoduro)
  • Birraria la Corte
  • La Patatina
  • El Magazin
  • Mezzpleno
  • Al Timon
  • Al Mercà
  • All‘ Arco
  • Osteria Al Squero
  • Cantinone Gia Schiavi

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