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living la vida loca

Damals, als Corona einfach nur ein Bier war und man noch unbeschwert den Süden Europas unsicher machen konnte, verbrachte ich 10 Tage im wunderschönen Andalusien. Fasziniert von der Leichtigkeit und der Natürlichkeit der Südspanier, riss mich la vida loca sofort in seinen Bann: ich absolvierte einen Surfkurs in El Palmar, ernährte mich von Tapas und Tinto de verano (Rotwein mit Limonade), legte um 14:30 Uhr schön brav eine Siesta ein und sogar Reaggeton wurde immer erträglicher.

Wer sich danach sehnt einfach mal unbeschwert in den Tag hineinzuleben und sich von der spanischen Lebensfreude treiben zu lassen ist in Sevilla und Umgebung genau am richtigen Ort. Nachdem man morgens vielleicht etwas unsanft von der Müllabfuhr oder Bauarbeiten geweckt wurde (Wärmedämmung und Schallschutz sind hier absolute Fremdwörter), kann man bei einem Espresso in einem der zahlreichen Straßencafés beobachten wie die Stadt langsam zum Leben erwacht und sich die Einheimischen, meistens noch etwas dösig vom Vorabend, zum Arbeiten aufmachen. Aufgewärmt von den morgendlichen Sonnenstrahlen wird es dann Zeit, das Labyrinth der bunten Gässchen zu erkunden, sich von einer Tapas-Bar zur nächsten durchzuprobieren, die Dächer Sevillas vom Turm der Kathedrale oder dem Wahrzeichen Las Setas zu betrachten und kleine  Schätze in den unzähligen Boutiquen ausfindig zu machen. Ab 14 Uhr darf man sich dann auf die Siesta gefasst machen – ein Phänomen, dass uns Deutschen im ersten Moment ein bisschen unsinnig vorkommen mag, in Spanien aber eine ganze Stadt lahmtlegt. Plötzlich ist man alleine unterwegs und kann seine Zeit noch nicht einmal mit Kaffee trinken überbrücken. Dafür allerdings mit langen Spaziergängen am Wasser oder aber einfach auch mit einen Nap – die Energie muss ja schließlich für alle späterfolgenden,  nächtlichen Eskapaden gespart werden. 

Wer sich dann, ganz nach deutschen Gewohnheiten, gegen 19 Uhr auf die nächste Runde Tapas freut, ist eindeutig noch nicht ganz im spanischen Lifestyle angekommen. Denn alle die vor 21 Uhr eine Taps-Bar betreten werden augenblicklich als unerfahrenen Touris entlarvt. Ein bis zwei Stunden später wird einem allerdings klar, warum Spanier für ihre Fiesta bekannt sind. Dann sind Bars und Restaurants, sowie alle Gässchen dazwischen, brechend voll und man lässt sich mit einem Becher Sangria in der einen Hand und einem Tapas in der anderen durch die Straßen treiben. Schnell wird einem dabei auch bewusst, dass die Fiesta im Gegensatz zu der Siesta, einen sehr viel längeren Zeitraum umfassen kann und dass diese auch sehr wahrscheinlich der Grund für die müden Gesichter war, die man morgens entspannt beim Espresso trinken beobachtet hat. 

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